MUFF POTTER Kein bisschen Emo?
01. 08. 07 | Platten
MUFF POTTER Kein bisschen
Emo?
Eine typische Art Bands kennen zulernen ist die Folgende. Man ist auf einer Party, und es entwickelt sich ein Gespräch über Musik, erst ganz allgemein. Schnell findet man in jener Gesellschaft Bands auf die man sich einigen kann. Man erörtert die Lebenssituation in der diese Musik für einen von Bedeutung war. So kommt es, dass nicht nur die eine Lebenserfahrung erörtert wird, sondern sich viele im laufe des Gesprächs häufen und man sich so von Band zu Band durch ein ganzes Leben hangelt. Eine Band wird dann unter den vielen bedeutenden Combos eine besondere gehobene Rolle zugeordnet. Das ist jene, die einem zu Hören vom Gesprächspartner verordnet wird. Damals, ungefähr vor 5 Jahren waren das häufig die noch mäßig Bekannten Muff Potter, in dessen Zusammenhang ein verfestigter Begriff sofort fiel, „Emo“. Die Bewegung Emo, aus dem Emocore entstanden, wurde zu jenem Zeitpunkt von einem relativ kleinem Personenkreis getragen und war nicht allgegenwärtig. Ein Grund, dass man sich einer Minderheit angehörig fühlte, die sich auch Hot Water Music oder The Get Up Kids auf die Fahnen schrieb. Fern ab von Totenköpfen bei uns allen bekannt Klamotten Labels fühlte man sich besonders, und wenn ich Muff Potter heute höre, stellt sich genau dieses Gefühl immer noch ein.
Muff Potter
Muff Potter die raue punkige Gruppe mit emotionaleren und tiefgreifenderen Texten als es für Punk üblich ist, definieren Emo durch verschiedene Punkte und mehr durch bandcharakterliche Eigenschaften als durch bewusst ausgerichtete Texte. Man ist Emo einfach und setzt sich nichts auf. Sie sprühen mit Leidenschaft heraus was gesagt werden muss. Anfangs, in der Entstehung der Band, ungläubig belächelt, hielten sie daran fest und blieben Standhaft, weil es aus Leidenschaft rüherte. So aus innerer Überzeugung hervor gebrachte Leidenschaft, dass man sich ihrer Wahrhaftigkeit annimmt. Wahrhaftigkeit bedeutet hier, dass sich durch ehrliche persönliche Aussagen und emotional entrückte Texte der Interpret ins Abseits stellt. Er vertritt eine authentische, glaubhafte Position. Dies geht soweit, dass die Kritik an äußeren Umständen bis zu einer augenscheinlichen Depressivität ausufern kann. In einem ewigen Kreislauf zwischen wieder aufstehen und abstürzen, steckt man in einer Lebenskrise. Dabei weiß man, dass man alles könnte, wenn man nur könnte, ein sinnhaftes, substanzielles Zitat aus vielen Muff Potter Texten. Ein innere Hinderung gegen den eigenen Willen zum Handeln ist bezeichnend für die textliche Aussage.
Die neue Platte - Steady Fremdköper
Muff Potter haben diese Definition von Emo auf ihrer neuen Platte beibehalten. So wird derjenige der die letzten Platten verstand auch diese neue verstehen. In ihrer Haltung verlassen sie sich weiterhin auf schmachtende Weltkritik aus dem Herzen des einfachen Mannes.
Das Keyboardgastspiel von vorhergegangenen Platten wurde wieder verband und somit auf atmosphärische Hintergrundfülle verzichtet. Rauhe Gitarren prügeln viel mehr auf die Ohren des Hörers ein. Immer wieder will Nagels hehrrausbrühlende Stimme das raue Leben verständlich machen. Es wird einen so vor die Füße geknallt, dass man einfach darüber stolpern muss, gerade oder trotz davon ausgehender Alltagskritik. Als inhaltlicher Mankel ist der über eine Schreibblockade handelnde Text anzumerken, aber wahrscheinlich gehört es langsam zum guten Ton, wie auch im Buchgeschäft, über das Nichtssagen zu schreiben. Wenigstens erkennt der Autor selbst sehr deutlich und schnell, „leere ist nicht peotisch“ und „unglaublich langweilig und ekelig“. Diesen Fehltritt gleicht das lang gezogene Instrumental am Ende des Songs, aber mit Entschiedenheit wieder aus. Möglicherweise ein Zeichen, dass man selbst erkannte, man solle nicht allzu ausgedehnt über eine langweilige Schreibblockade reden. Das ist auch gut so. Der Rest ist nicht zu beanstanden, und besitzt längst ein höheres Niveau als andere Bands gleichen Schlags. Unnötige klugscheißerische poetische Selbstbeweise sind im Gegensatz zu anderen deutschen Bands Muff Potter fremd. Mit Herzblut wird gesagt was gesagt werden muss.
Nagel zitierte im Homepage eigenen Tagebuch den hauseigenen Produzenten Nikolai Potthoff nach dem Abmixen mit den Worten „findest du nicht auch, daß diese Suppe mit Jodsalz zu würzen so ist, als würde man bei einem zu dumpfen Mix billige Höhen reindrehen?“. Die Platte ist nicht mit Jodsalz gewürzt.
Muff Potter definieren Emo nicht als Klamotten Label oder sich selbst nicht als Galleonsfigur der allgegenwärtigen sinnentleerten “Emo” Mode, sondern über Inhalt und liebe zur Musik. Muff Potter ist keine Modeerscheinung, sondern eine Mode die Aufgrund von Substanz ihren Trendcharakter beibehält.
Gregor Barth
Eine typische Art Bands kennen zulernen ist die Folgende. Man ist auf einer Party, und es entwickelt sich ein Gespräch über Musik, erst ganz allgemein. Schnell findet man in jener Gesellschaft Bands auf die man sich einigen kann. Man erörtert die Lebenssituation in der diese Musik für einen von Bedeutung war. So kommt es, dass nicht nur die eine Lebenserfahrung erörtert wird, sondern sich viele im laufe des Gesprächs häufen und man sich so von Band zu Band durch ein ganzes Leben hangelt. Eine Band wird dann unter den vielen bedeutenden Combos eine besondere gehobene Rolle zugeordnet. Das ist jene, die einem zu Hören vom Gesprächspartner verordnet wird. Damals, ungefähr vor 5 Jahren waren das häufig die noch mäßig Bekannten Muff Potter, in dessen Zusammenhang ein verfestigter Begriff sofort fiel, „Emo“. Die Bewegung Emo, aus dem Emocore entstanden, wurde zu jenem Zeitpunkt von einem relativ kleinem Personenkreis getragen und war nicht allgegenwärtig. Ein Grund, dass man sich einer Minderheit angehörig fühlte, die sich auch Hot Water Music oder The Get Up Kids auf die Fahnen schrieb. Fern ab von Totenköpfen bei uns allen bekannt Klamotten Labels fühlte man sich besonders, und wenn ich Muff Potter heute höre, stellt sich genau dieses Gefühl immer noch ein.
Muff Potter
Muff Potter die raue punkige Gruppe mit emotionaleren und tiefgreifenderen Texten als es für Punk üblich ist, definieren Emo durch verschiedene Punkte und mehr durch bandcharakterliche Eigenschaften als durch bewusst ausgerichtete Texte. Man ist Emo einfach und setzt sich nichts auf. Sie sprühen mit Leidenschaft heraus was gesagt werden muss. Anfangs, in der Entstehung der Band, ungläubig belächelt, hielten sie daran fest und blieben Standhaft, weil es aus Leidenschaft rüherte. So aus innerer Überzeugung hervor gebrachte Leidenschaft, dass man sich ihrer Wahrhaftigkeit annimmt. Wahrhaftigkeit bedeutet hier, dass sich durch ehrliche persönliche Aussagen und emotional entrückte Texte der Interpret ins Abseits stellt. Er vertritt eine authentische, glaubhafte Position. Dies geht soweit, dass die Kritik an äußeren Umständen bis zu einer augenscheinlichen Depressivität ausufern kann. In einem ewigen Kreislauf zwischen wieder aufstehen und abstürzen, steckt man in einer Lebenskrise. Dabei weiß man, dass man alles könnte, wenn man nur könnte, ein sinnhaftes, substanzielles Zitat aus vielen Muff Potter Texten. Ein innere Hinderung gegen den eigenen Willen zum Handeln ist bezeichnend für die textliche Aussage.
Die neue Platte - Steady Fremdköper
Muff Potter haben diese Definition von Emo auf ihrer neuen Platte beibehalten. So wird derjenige der die letzten Platten verstand auch diese neue verstehen. In ihrer Haltung verlassen sie sich weiterhin auf schmachtende Weltkritik aus dem Herzen des einfachen Mannes.
Das Keyboardgastspiel von vorhergegangenen Platten wurde wieder verband und somit auf atmosphärische Hintergrundfülle verzichtet. Rauhe Gitarren prügeln viel mehr auf die Ohren des Hörers ein. Immer wieder will Nagels hehrrausbrühlende Stimme das raue Leben verständlich machen. Es wird einen so vor die Füße geknallt, dass man einfach darüber stolpern muss, gerade oder trotz davon ausgehender Alltagskritik. Als inhaltlicher Mankel ist der über eine Schreibblockade handelnde Text anzumerken, aber wahrscheinlich gehört es langsam zum guten Ton, wie auch im Buchgeschäft, über das Nichtssagen zu schreiben. Wenigstens erkennt der Autor selbst sehr deutlich und schnell, „leere ist nicht peotisch“ und „unglaublich langweilig und ekelig“. Diesen Fehltritt gleicht das lang gezogene Instrumental am Ende des Songs, aber mit Entschiedenheit wieder aus. Möglicherweise ein Zeichen, dass man selbst erkannte, man solle nicht allzu ausgedehnt über eine langweilige Schreibblockade reden. Das ist auch gut so. Der Rest ist nicht zu beanstanden, und besitzt längst ein höheres Niveau als andere Bands gleichen Schlags. Unnötige klugscheißerische poetische Selbstbeweise sind im Gegensatz zu anderen deutschen Bands Muff Potter fremd. Mit Herzblut wird gesagt was gesagt werden muss.
Nagel zitierte im Homepage eigenen Tagebuch den hauseigenen Produzenten Nikolai Potthoff nach dem Abmixen mit den Worten „findest du nicht auch, daß diese Suppe mit Jodsalz zu würzen so ist, als würde man bei einem zu dumpfen Mix billige Höhen reindrehen?“. Die Platte ist nicht mit Jodsalz gewürzt.
Muff Potter definieren Emo nicht als Klamotten Label oder sich selbst nicht als Galleonsfigur der allgegenwärtigen sinnentleerten “Emo” Mode, sondern über Inhalt und liebe zur Musik. Muff Potter ist keine Modeerscheinung, sondern eine Mode die Aufgrund von Substanz ihren Trendcharakter beibehält.
Gregor Barth