Mar 2007
...trail of dead
Ich betrete verspätet, mich aber wie ein Honigkuchenpferdchen freuend den Postbahnhof am Ostbahnhof und schließe aus der Tatsache, dass ich mich fast ohne ungewollten physischen Kontakt mit anderen Konzertbesuchern bis fast ganz nach vorne wurschteln kann, dass die Halle nicht ausverkauft ist.
Die Vorband ist gerade fertig. Schade, denn Berichten meines Stehnachbarn zufolge, haben die Forget Cassettes mit Frontrüpelchen Beth Cameron wohl „rischdeh jerockt“. Na ja, ich bin nun jedenfalls bereit meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Band zu widmen, die mir die letzten Wochen mal lauter mal leiser mein Trommelfell beschallten.
Punkt 22Uhr erscheinen sie dann also auf der Bühne. Erscheinen ist hierbei insofern das adäquate Verb, als die Jungs um Conrad Keely und Jason Reece einerseits durch „Ode to Isis“ wie Phoenix aus der Asche regelrecht zur Hallendecke aufsteigen, einem jedoch andererseits das Gefühl vermitteln, als müsse uns allen die Sonne aus dem Arsch scheinen. Mit einem Donnergrollen eingeleitet beginnt auch schon das ...And-You-Will-Know-Us-By-The-Trail-of-Dead-Gewitter, schüttelt uns durch und lässt wuchtige Klänge auf uns niederprasseln.
Spätestens beim neuen „Stand in Silence“ haben sie auch dem verkrampftesten Zuhörer bzw. Zuschauer die Muskulatur gelockert und ein fröhliches Kopfnicken zieht sich wie eine rasende Wanderdüne durch den Postbahnhof. Conrad Keely, dessen Stimme ebenso gut einer Indie- oder Britpop-Band angehören könnte, wirkt wie immer abgeklärt und zugedröhnt, lässt aber durchaus auch hin und wieder Freude am Spielen durchblitzen, auch noch bevor Beth Cameron für „Wasted State of Mind“ die Bühne betritt und nun auch mich von ihrem Gesangsorganchen, das an Patti Smith erinnert, überzeugen kann. Jason Reese hingegen poltert wie ein junger Henry Rollins über die Bühne und brüllt zu „Caterwaul“ im Duett mit Conrad ins Mikro, als müsse er klarstellen, wer hier der Rocker auf der Bühne ist. Auch zu „Homage“ lassen es die Texaner richtig krachen und zeigen uns mit Jasons erstklassigem Stagedive nicht das erste Mal, worum es ihnen bei ihrer Musik geht, nämlich um Entertainment, sonst nichts. Scheinen sie doch auch durch ihr schonungsloses Instrument-Getausche ihre Virtuosität bzw. Kuriosität zum Ausdruck bringen zu wollen.
Neben Front-Beau Conrad Keely und Percussionist und Berserker Jason Reese wirkt Gitarrist Kevin Allen hingegen wie ein pubertierender Heinz Erhardt im Schulorchester. Als hätte man ihm nach seinen letzten Kontrollverlusten auf der Bühne das Bewegen verboten, verharrt er das ganze Konzert über auf demselben Fleck, bewegt lediglich bei allzu überwältigenden Beats das bebrillte Köpfchen ein wenig hin und her. Das Unwetter hält mit „Perfect Teenhood“ und „Will you Smile Again“ an und wird nur hin und wieder durch kleine Wolkenlücken in Form von „Aged Dolls“ u.ä. unterbrochen, die Momente zum Luftholen und Frohsein lassen.
Das Repertoire der 5 deckt einfach sämtliche Genres ab, von Noise Rock über Progressive bis hin zu Indie Pop, schafft es aber auch mit ihrem neuen Album „So Divided“ wieder auf eine unnachahmliche Art und Weise zu explodieren und sein Publikum ein paar Zentimeter kopfnickend über dem Boden schweben zu lassen.
Vielleicht ist es auch das Bombastische, das Orchestrale bei Trail of Dead, was einem das Herzlein beglückt hüpfen lässt. Fühlt man sich doch - schließt man mal für einen Moment die Augen - wie ein Hobbit im neuseeländischen Urwald. Die unprätentiöse und spärliche Art der Bandmitglieder, auf das Publikum einzugehen, ist allerdings nicht gerade das was sie am Rocksternchenhimmel zu Ehrengästen machen wird, denke ich und weiß zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass sie mich in dieser Hinsicht eines Besseren belehren werden.
Mit ihrer Zugabe, die uns unter anderem ein begnadet kraftvolles „Rest Will Follow“ mit militärischem Trommelwirbel beschert, kommt es zum finalen Tusch und die Wolken beginnen sich zu verziehen. Alle Instrumente bleiben diesmal nicht nur unbeschädigt, man verabschiedet sich sogar per Handschlag von der ersten Zuschauerreihe. Das Konzert ist vorbei doch die Muskelverspannung und das Lächeln bleibt.
Ich mache mich vorbei an seeligen Bierkonsumenten, darunter auch Thees Uhlmann auf den Weg nach Hause. Es ist schrecklich kalt und ich bemerke, dass ein paar Wolken aufziehen...
Now Its Overhead
Now Its Overhead

Ein Artikel in Form eines Interviews mit Tim und mir selbst.

Intro:
Kanntest du NIO schon vor dem Konzert?

T: Ja, du hattest ja, längere Zeit das Lied „a sceleton on display“ von NIO auf deiner myspace-seite.

B: Ja, ich war letztes Jahr bei nem Konzert von Maria Taylor und vorher schon großer Azure
Ray-Liebhaber und wenn man auf ihren Seiten bisschen stöbert entdeckt man den ein
oder anderen musikalischen Schatz.

Warst du schon mal im Starclub?

T: Ja. Dort haben nämlich im November letzten Jahres die „we are scientists“ gerockt!

B: Nein, noch nie. Große Premiere also. Man könnte meinen früher hätten dort die Hofdamen mit ihren Gatten das Tanzbein zu einem Wiener Walzer geschwungen.

Mitro:
Irgendwelche Vorstellungen von dem Konzert bevor der erste Ton erklang?

T: Mehr als das o.g. Lied kannte ich ja vorher nicht und somit hatte ich mich auf ein eher besinnliches Konzert eingestellt.

B: Das was ich bis dahin gehört hatte war sehr vielfältig und doch ehern auf leisem Fuß…

Was war das erste, das du dachtest, als du die vier jungen Herren hast auf die Bühne kommen sehen?

T: Hey, die hab ich doch vorher im Publikum gesehen!

B: Ganz schön klein, die Herren.

Und die Musik nun live?

T: Die vier haben meine Erwartungen schon mit dem ersten Lied über den Haufen geworfen. Mit einem tollen Klang, schrammligen Sound und mehrstimmigen Gesang der im krassen Gegensatz zum eher verwaschen klingenden Zusammenspiel der Gitarren auf das Publikum schallte, gaben sie vom ersten Ton eine Richtung an, die ich als sehr überraschend empfand.

B: Ohohoh, na das war ja was. Das muss man echt erlebt haben, ein Achterbahnfahren der
Töne und Geräusche, das ging krach, bumm, rums, peng und aus und plötzlich da wieder
ein zartes melodichen mit weicher Stimme, die hoch und runter alles aus sich raus holte,
ohne dieses ganze Konzert auch nur einen Schluck zu trinken.

Wie lange gings?

T, B: genau 1h und 3 Zugaben!

Das Publikum?

T: War von dem Konzert anfangs anscheinend genauso überrascht wie ich, ließ sich aber
schnell mitreißen.

B: Die vorderen Reihen sind gehopst und haben getanzt was das Zeug hält, von den
anderen war ein leichtes Schunkeln und Kopfnicken zu erkennen. Applaudiert wurde
mächtig und dem Glänzen in den Augen war zu vernehmen, das die Musik Herz und
Verstand erreicht hat und nicht mehr losgelassen wird.

nio1

Outro:
Beschreibe das Konzert kurz in einem Satz!

T: Ein Konzert wie ein Lied, mit Hochgefühl und Schmalz, gepaart mit teils boshaftigen
Emotionen und einem perfekt getimtem Ende.

B: Stell dir einen Film vor mit diesem typischen, dramatischen Part, der absolut
blutgerrinnden Musik, ja genau so war das, nur besser und mit viel Liebe!

More Infos look also at
www.nowitsoverhead.com
www.myspace.com/nowitsoverhead
www.saddle-creek.com.

Eure bea
...And You Will Know Us By The Trail Of Dead
...And You Will Know Us By The Trail Of Dead
28. Februar, Postbahnhof (B)

Ich betrete verspätet, mich aber wie ein Honigkuchenpferdchen freuend den Postbahnhof am Ostbahnhof und schließe aus der Tatsache, dass ich mich fast ohne ungewollten physischen Kontakt mit anderen Konzertbesuchern bis fast ganz nach vorne wurschteln kann, dass die Halle nicht ausverkauft ist.
Die Vorband ist gerade fertig. Schade, denn Berichten meines Stehnachbarn zufolge, haben die Forget Cassettes mit Frontrüpelchen Beth Cameron wohl „rischdeh jerockt“. Na ja, ich bin nun jedenfalls bereit meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Band zu widmen, die mir die letzten Wochen mal lauter mal leiser mein Trommelfell beschallten.
Punkt 22Uhr erscheinen sie dann also auf der Bühne. Erscheinen ist hierbei insofern das adäquate Verb, als die Jungs um Conrad Keely und Jason Reece einerseits durch „Ode to Isis“ wie Phoenix aus der Asche regelrecht zur Hallendecke aufsteigen, einem jedoch andererseits das Gefühl vermitteln, als müsse uns allen die Sonne aus dem Arsch scheinen. Mit einem Donnergrollen eingeleitet beginnt auch schon das ...And-You-Will-Know-Us-By-The-Trail-of-Dead-Gewitter, schüttelt uns durch und lässt wuchtige Klänge auf uns niederprasseln.
Spätestens beim neuen „Stand in Silence“ haben sie auch dem verkrampftesten Zuhörer bzw. Zuschauer die Muskulatur gelockert und ein fröhliches Kopfnicken zieht sich wie eine rasende Wanderdüne durch den Postbahnhof. Conrad Keely, dessen Stimme ebenso gut einer Indie- oder Britpop-Band angehören könnte, wirkt wie immer abgeklärt und zugedröhnt, lässt aber durchaus auch hin und wieder Freude am Spielen durchblitzen, auch noch bevor Beth Cameron für „Wasted State of Mind“ die Bühne betritt und nun auch mich von ihrem Gesangsorganchen, das an Patti Smith erinnert, überzeugen kann. Jason Reese hingegen poltert wie ein junger Henry Rollins über die Bühne und brüllt zu „Caterwaul“ im Duett mit Conrad ins Mikro, als müsse er klarstellen, wer hier der Rocker auf der Bühne ist. Auch zu „Homage“ lassen es die Texaner richtig krachen und zeigen uns mit Jasons erstklassigem Stagedive nicht das erste Mal, worum es ihnen bei ihrer Musik geht, nämlich um Entertainment, sonst nichts. Scheinen sie doch auch durch ihr schonungsloses Instrument-Getausche ihre Virtuosität bzw. Kuriosität zum Ausdruck bringen zu wollen.
Neben Front-Beau Conrad Keely und Percussionist und Berserker Jason Reese wirkt Gitarrist Kevin Allen hingegen wie ein pubertierender Heinz Erhardt im Schulorchester. Als hätte man ihm nach seinen letzten Kontrollverlusten auf der Bühne das Bewegen verboten, verharrt er das ganze Konzert über auf demselben Fleck, bewegt lediglich bei allzu überwältigenden Beats das bebrillte Köpfchen ein wenig hin und her. Das Unwetter hält mit „Perfect Teenhood“ und „Will you Smile Again“ an und wird nur hin und wieder durch kleine Wolkenlücken in Form von „Aged Dolls“ u.ä. unterbrochen, die Momente zum Luftholen und Frohsein lassen.
Das Repertoire der 5 deckt einfach sämtliche Genres ab, von Noise Rock über Progressive bis hin zu Indie Pop, schafft es aber auch mit ihrem neuen Album „So Divided“ wieder auf eine unnachahmliche Art und Weise zu explodieren und sein Publikum ein paar Zentimeter kopfnickend über dem Boden schweben zu lassen.
Vielleicht ist es auch das Bombastische, das Orchestrale bei Trail of Dead, was einem das Herzlein beglückt hüpfen lässt. Fühlt man sich doch - schließt man mal für einen Moment die Augen - wie ein Hobbit im neuseeländischen Urwald. Die unprätentiöse und spärliche Art der Bandmitglieder, auf das Publikum einzugehen, ist allerdings nicht gerade das was sie am Rocksternchenhimmel zu Ehrengästen machen wird, denke ich und weiß zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass sie mich in dieser Hinsicht eines Besseren belehren werden.
Mit ihrer Zugabe, die uns unter anderem ein begnadet kraftvolles „Rest Will Follow“ mit militärischem Trommelwirbel beschert, kommt es zum finalen Tusch und die Wolken beginnen sich zu verziehen. Alle Instrumente bleiben diesmal nicht nur unbeschädigt, man verabschiedet sich sogar per Handschlag von der ersten Zuschauerreihe. Das Konzert ist vorbei doch die Muskelverspannung und das Lächeln bleibt.
Ich mache mich vorbei an seeligen Bierkonsumenten, darunter auch Thees Uhlmann auf den Weg nach Hause. Es ist schrecklich kalt und ich bemerke, dass ein paar Wolken aufziehen... töne
plants