Call Me Lightning, The Big Sleep...
Call Me Lightning, The Big Sleep, Les Savy Fav
01.04.2007 – The Bowery Ballroom, New York

»Frenchkiss Records veranstaltet ein Showcase im Bowery Ballroom in New Yorks Lower East Side. Die Halle ist ausverkauft. Es sind etwa 800 Leute da. Als erstes kommen die drei Jungs von Call Me Lightning aus Wisconsin auf die Bühne. Es wird laut. Es geht nach vorne. Zwischendurch wird sogar geschrien. Mit Soft Skeletons haben sie kürzlich ein tanzbares und insgesamt sehr grandioses Indierock Album veröffentlicht. Der Hit Billion Eyes bringt mich zum mitsingen oder eher mitgrölen. Ich beginne mich selbst zu eher frühen Stunde des Abends zur sehr rhythmusbetonten Musik zu bewegen. Im Mai sind Call Me Lightning in den Vereinigten Staaten mit Pretty Girls Make Graves auf deren Abschiedstour unterwegs. Zu dumm für alle, die auf dem falschen Kontinent wohnen. Die zweite Band ist The Big Sleep. Ein Mann versteckt sich hinter seinen langen schwarzen Haaren und spielt Gitarre. Eine Frau mit der gleichen Frisur spielt Bass und steht am Keyboard. Im Hintergrund sitzt ein Mann an einem Schlagzeug. Verzerrer kommen zum Einsatz. Es wird psychedelischer. Die Frau spricht bei ein paar Songs ins Mikrophon, wirkt dabei sehr schüchtern. Ansonsten steht die Gitarre eindeutig im Vordergrund. Die Band kommt aus Brooklyn. Die Musik ist weniger zum tanzen. Es geht mehr darum sich an die Gitarrenwände anzulehnen und fallen zu lassen. Ich bin wegen der dritten Band gekommen und doch froh früh genug dort zu sein um die ersten beiden Bands mitbekommen zu haben. Auf der Bühne wird umgebaut. Zwischen den Leuten, die Instrumente hin und her tragen, taucht der Sänger von Les Savy Fav Tim Harrington auf. Er hat ein Handy am Ohr. Er trägt ein schickes Jacket, dazu einen farbigen Schal. Die Show beginnt schon während der Umbaupause. Er tut wie ein geschäftiger Manager, schaut mehrfach auf die Uhr, spricht zwischendurch affektiert mit einigen Umbauhelfern und wirft seinen Schal gekonnt umher. Schließlich ist es nochmal kurz ruhig auf der Bühne bevor die anderen drei Bandmitglieder vors Publikum treten. Harrington kommt zurück auf die Bühne, während die Musik bereits spielt. Er trägt nun ein grell-gelbes Indianerkostüm mit Federschmuck und widmet das erste Lied den „native-americans“ im Raum. Kurz darauf kündigt er an: „this is our last song“. Er springt umher. Er ist nicht gerade von schmaler Statur und schleudert seine gesamte Körpermasse über die Bühne. Er verheddert sich im Mikrophonkabel. Relativ früh kommt mein Lieblingshit „yawn, yawn, yawn“. Harrington hat zu dieser Zeit schon sein Kostüm durchgeschwizt und beginnt sich auszuziehen. Er wirft immer wieder das Mikrophonkabel ins Publikum um dann hinterher zu springen. Er wälzt sich auf dem Boden zwischen den Fans. Er winkt einen am Rande stehenden Kameramann zu sich und küsst ihn lange auf den Mund. Er fragt das Publikum nach einem Stift. Die erste Reihe darf auf seinen Körper malen. Mittlerweile hat er nur noch eine ziemlich hässliche weiße Unterhose an. Nicht viele Stellen seines Körpers bleiben unberührt. Der Rest der Band spielt währenddessen die ganze Zeit relativ teilnahmslos. Es gibt ein paar neue Stücke. Nach der Singlezusammenstellung Inches aus dem Jahr 2004 soll bald endlich ein neues Album folgen. Das Publikum tanzt für amerikanische Verhältnisse sehr ausgelassen. Les Savy Fav sind aus New York und spielen Indierock der lauteren Sorte. Man hört post-punk und art-punk Einflüsse. In den Vereinigten Staaten sind sie unter anderem aufgrund ihrer seltenen Auftritte legendär. Ich bin glücklich solch einem Ereignis beiwohnen zu dürfen. Sehr viel Spaß für 18 Dollar. Ob ich von diesem Abend noch meinen Enkeln erzählen werde? Ich glaube schon! Robert
plants