...And You Will Know Us By The Trail Of Dead
04. 03. 07 | Konzerte
...And You Will
Know Us By The Trail Of Dead
28. Februar, Postbahnhof (B)
Ich betrete verspätet, mich aber wie ein Honigkuchenpferdchen freuend den Postbahnhof am Ostbahnhof und schließe aus der Tatsache, dass ich mich fast ohne ungewollten physischen Kontakt mit anderen Konzertbesuchern bis fast ganz nach vorne wurschteln kann, dass die Halle nicht ausverkauft ist.
Die Vorband ist gerade fertig. Schade, denn Berichten meines Stehnachbarn zufolge, haben die Forget Cassettes mit Frontrüpelchen Beth Cameron wohl „rischdeh jerockt“. Na ja, ich bin nun jedenfalls bereit meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Band zu widmen, die mir die letzten Wochen mal lauter mal leiser mein Trommelfell beschallten.
Punkt 22Uhr erscheinen sie dann also auf der Bühne. Erscheinen ist hierbei insofern das adäquate Verb, als die Jungs um Conrad Keely und Jason Reece einerseits durch „Ode to Isis“ wie Phoenix aus der Asche regelrecht zur Hallendecke aufsteigen, einem jedoch andererseits das Gefühl vermitteln, als müsse uns allen die Sonne aus dem Arsch scheinen. Mit einem Donnergrollen eingeleitet beginnt auch schon das ...And-You-Will-Know-Us-By-The-Trail-of-Dead-Gewitter, schüttelt uns durch und lässt wuchtige Klänge auf uns niederprasseln.
Spätestens beim neuen „Stand in Silence“ haben sie auch dem verkrampftesten Zuhörer bzw. Zuschauer die Muskulatur gelockert und ein fröhliches Kopfnicken zieht sich wie eine rasende Wanderdüne durch den Postbahnhof. Conrad Keely, dessen Stimme ebenso gut einer Indie- oder Britpop-Band angehören könnte, wirkt wie immer abgeklärt und zugedröhnt, lässt aber durchaus auch hin und wieder Freude am Spielen durchblitzen, auch noch bevor Beth Cameron für „Wasted State of Mind“ die Bühne betritt und nun auch mich von ihrem Gesangsorganchen, das an Patti Smith erinnert, überzeugen kann. Jason Reese hingegen poltert wie ein junger Henry Rollins über die Bühne und brüllt zu „Caterwaul“ im Duett mit Conrad ins Mikro, als müsse er klarstellen, wer hier der Rocker auf der Bühne ist. Auch zu „Homage“ lassen es die Texaner richtig krachen und zeigen uns mit Jasons erstklassigem Stagedive nicht das erste Mal, worum es ihnen bei ihrer Musik geht, nämlich um Entertainment, sonst nichts. Scheinen sie doch auch durch ihr schonungsloses Instrument-Getausche ihre Virtuosität bzw. Kuriosität zum Ausdruck bringen zu wollen.
Neben Front-Beau Conrad Keely und Percussionist und Berserker Jason Reese wirkt Gitarrist Kevin Allen hingegen wie ein pubertierender Heinz Erhardt im Schulorchester. Als hätte man ihm nach seinen letzten Kontrollverlusten auf der Bühne das Bewegen verboten, verharrt er das ganze Konzert über auf demselben Fleck, bewegt lediglich bei allzu überwältigenden Beats das bebrillte Köpfchen ein wenig hin und her. Das Unwetter hält mit „Perfect Teenhood“ und „Will you Smile Again“ an und wird nur hin und wieder durch kleine Wolkenlücken in Form von „Aged Dolls“ u.ä. unterbrochen, die Momente zum Luftholen und Frohsein lassen.
Das Repertoire der 5 deckt einfach sämtliche Genres ab, von Noise Rock über Progressive bis hin zu Indie Pop, schafft es aber auch mit ihrem neuen Album „So Divided“ wieder auf eine unnachahmliche Art und Weise zu explodieren und sein Publikum ein paar Zentimeter kopfnickend über dem Boden schweben zu lassen.
Vielleicht ist es auch das Bombastische, das Orchestrale bei Trail of Dead, was einem das Herzlein beglückt hüpfen lässt. Fühlt man sich doch - schließt man mal für einen Moment die Augen - wie ein Hobbit im neuseeländischen Urwald. Die unprätentiöse und spärliche Art der Bandmitglieder, auf das Publikum einzugehen, ist allerdings nicht gerade das was sie am Rocksternchenhimmel zu Ehrengästen machen wird, denke ich und weiß zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass sie mich in dieser Hinsicht eines Besseren belehren werden.
Mit ihrer Zugabe, die uns unter anderem ein begnadet kraftvolles „Rest Will Follow“ mit militärischem Trommelwirbel beschert, kommt es zum finalen Tusch und die Wolken beginnen sich zu verziehen. Alle Instrumente bleiben diesmal nicht nur unbeschädigt, man verabschiedet sich sogar per Handschlag von der ersten Zuschauerreihe. Das Konzert ist vorbei doch die Muskelverspannung und das Lächeln bleibt.
Ich mache mich vorbei an seeligen Bierkonsumenten, darunter auch Thees Uhlmann auf den Weg nach Hause. Es ist schrecklich kalt und ich bemerke, dass ein paar Wolken aufziehen... töne
28. Februar, Postbahnhof (B)
Ich betrete verspätet, mich aber wie ein Honigkuchenpferdchen freuend den Postbahnhof am Ostbahnhof und schließe aus der Tatsache, dass ich mich fast ohne ungewollten physischen Kontakt mit anderen Konzertbesuchern bis fast ganz nach vorne wurschteln kann, dass die Halle nicht ausverkauft ist.
Die Vorband ist gerade fertig. Schade, denn Berichten meines Stehnachbarn zufolge, haben die Forget Cassettes mit Frontrüpelchen Beth Cameron wohl „rischdeh jerockt“. Na ja, ich bin nun jedenfalls bereit meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Band zu widmen, die mir die letzten Wochen mal lauter mal leiser mein Trommelfell beschallten.
Punkt 22Uhr erscheinen sie dann also auf der Bühne. Erscheinen ist hierbei insofern das adäquate Verb, als die Jungs um Conrad Keely und Jason Reece einerseits durch „Ode to Isis“ wie Phoenix aus der Asche regelrecht zur Hallendecke aufsteigen, einem jedoch andererseits das Gefühl vermitteln, als müsse uns allen die Sonne aus dem Arsch scheinen. Mit einem Donnergrollen eingeleitet beginnt auch schon das ...And-You-Will-Know-Us-By-The-Trail-of-Dead-Gewitter, schüttelt uns durch und lässt wuchtige Klänge auf uns niederprasseln.
Spätestens beim neuen „Stand in Silence“ haben sie auch dem verkrampftesten Zuhörer bzw. Zuschauer die Muskulatur gelockert und ein fröhliches Kopfnicken zieht sich wie eine rasende Wanderdüne durch den Postbahnhof. Conrad Keely, dessen Stimme ebenso gut einer Indie- oder Britpop-Band angehören könnte, wirkt wie immer abgeklärt und zugedröhnt, lässt aber durchaus auch hin und wieder Freude am Spielen durchblitzen, auch noch bevor Beth Cameron für „Wasted State of Mind“ die Bühne betritt und nun auch mich von ihrem Gesangsorganchen, das an Patti Smith erinnert, überzeugen kann. Jason Reese hingegen poltert wie ein junger Henry Rollins über die Bühne und brüllt zu „Caterwaul“ im Duett mit Conrad ins Mikro, als müsse er klarstellen, wer hier der Rocker auf der Bühne ist. Auch zu „Homage“ lassen es die Texaner richtig krachen und zeigen uns mit Jasons erstklassigem Stagedive nicht das erste Mal, worum es ihnen bei ihrer Musik geht, nämlich um Entertainment, sonst nichts. Scheinen sie doch auch durch ihr schonungsloses Instrument-Getausche ihre Virtuosität bzw. Kuriosität zum Ausdruck bringen zu wollen.
Neben Front-Beau Conrad Keely und Percussionist und Berserker Jason Reese wirkt Gitarrist Kevin Allen hingegen wie ein pubertierender Heinz Erhardt im Schulorchester. Als hätte man ihm nach seinen letzten Kontrollverlusten auf der Bühne das Bewegen verboten, verharrt er das ganze Konzert über auf demselben Fleck, bewegt lediglich bei allzu überwältigenden Beats das bebrillte Köpfchen ein wenig hin und her. Das Unwetter hält mit „Perfect Teenhood“ und „Will you Smile Again“ an und wird nur hin und wieder durch kleine Wolkenlücken in Form von „Aged Dolls“ u.ä. unterbrochen, die Momente zum Luftholen und Frohsein lassen.
Das Repertoire der 5 deckt einfach sämtliche Genres ab, von Noise Rock über Progressive bis hin zu Indie Pop, schafft es aber auch mit ihrem neuen Album „So Divided“ wieder auf eine unnachahmliche Art und Weise zu explodieren und sein Publikum ein paar Zentimeter kopfnickend über dem Boden schweben zu lassen.
Vielleicht ist es auch das Bombastische, das Orchestrale bei Trail of Dead, was einem das Herzlein beglückt hüpfen lässt. Fühlt man sich doch - schließt man mal für einen Moment die Augen - wie ein Hobbit im neuseeländischen Urwald. Die unprätentiöse und spärliche Art der Bandmitglieder, auf das Publikum einzugehen, ist allerdings nicht gerade das was sie am Rocksternchenhimmel zu Ehrengästen machen wird, denke ich und weiß zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass sie mich in dieser Hinsicht eines Besseren belehren werden.
Mit ihrer Zugabe, die uns unter anderem ein begnadet kraftvolles „Rest Will Follow“ mit militärischem Trommelwirbel beschert, kommt es zum finalen Tusch und die Wolken beginnen sich zu verziehen. Alle Instrumente bleiben diesmal nicht nur unbeschädigt, man verabschiedet sich sogar per Handschlag von der ersten Zuschauerreihe. Das Konzert ist vorbei doch die Muskelverspannung und das Lächeln bleibt.
Ich mache mich vorbei an seeligen Bierkonsumenten, darunter auch Thees Uhlmann auf den Weg nach Hause. Es ist schrecklich kalt und ich bemerke, dass ein paar Wolken aufziehen... töne