The Blow, Deerhoof
20. 04. 07 | Konzerte
The Blow,
Deerhoof
15.04.2007 im Festsaal Kreuzberg, Berlin
Der Festsaal Kreuzberg ist der einzige Berliner Indieclub, der noch wirklich Indie ist. So wie in den 90ern, oder wars in den 80ern? Naja, irgendwo hab ich das so gelesen. Letztendlich war es dann doch auch nicht anders als bei einem normalen Indiekonzert im Magnet und dabei auch so sehr Teil gewöhnlicher Kulturindustrie, dass sogar die FAZ davon gehört hatte und anschließend eine ausführliche Konzertrezension veröffentlichte. Der Artikel widmet sich dann unter der Überschrift „Noise gegen Neues“ auch genau dieser Frage der Abgrenzung zwischen Pop und Aufbruch und der Authentizität für die der Begriff „Indie“ ja meistens stehen soll . Deerhoof werden als „Castingband des intellektuellen Postpop“ und „Hochdruckakademiker“ beschimpft.
„‘Festsaal Kreuzberg‘ in Berlin, nicht mal richtig proppenvoll ist der Laden, wie es sich doch für eine Insider-Kultband gehören würde, welche angeblich von ‚Sonic Youth‘, Matt Groening und vielen anderen Koryphäen verehrt wird und welche sich dem stetigen Umbruch verschrieben hat, dem Aufbrechen des Pop: ‚Deerhoof‘, neun Alben alt und aus San Francisco stammend, sind die Freejazzer des Noise, sie sind die stetigen Interruptoren der eigenen Lieder, mit einiger Hartnäckigkeit trachten sie nach der Zusammenzwingung des Unvereinbaren: Gut, dass sie nur zu dritt sind. Mehr Streben in die Exzentrik kann keine Bühne verkraften.“ Das in der Überschrift des FAZ-Artikels angesprochene „Neue“ war an diesem Abend The Blow. Die Vorband, die eigentlich aus zwei Personen besteht, aber an diesem Abend nur mit der Sängerin angetreten war. Die FAZ findet hierfür folgende Formulierungen: „Ein Lo-Fi-Elektropopduo aus Sängerin und Frickler; zarter, doch konziser Gesang mit hypnotischer Schlichtheit untendrunter, und um das Minimalismusglück noch komplett zu machen, war Sängerin Khaela Maricich am Sonntag ganz alleine da“ (FAZ.net, 17.04.2007) Wenn Schlichtheit so super ist und Intellektuelle von vorne herein der fehlenden Authentizität verdächtigt werden, frage ich mich etwas warum die FAZ so ist wie sie ist -- aber egal. Ansonsten mögen die Beobachtungen der FAZ ja durchaus zutreffen. Meine Verstrickungen in bestimmte Subkulturen und das von mir unterbewusst verinnerlichte Bild von Deerhoof als „Insider-Kultband“ lassen mich das Konzert sicherlich nicht so „objektiv“ rezensieren wie einen Autoren der FAZ und zwingen mich zu einer Distanzierung von der FAZ-Kritik. Deshalb nun in der geforderten Schlichtheit: Konzert war super. Ich hatte Spaß und ich war von der intellektuellen Komplexität der Musik von Deerhoof überfordert, fasziniert und berauscht. Pop, Aufbruch, Intellektualismus, Schlichtheit, Authentizität, deren Widersprüche und deren Bedeutung für die Kulturindustrie werden morgen mit ‚nem Bier in der Hand von mir zu Ende reflektiert... robert
15.04.2007 im Festsaal Kreuzberg, Berlin
Der Festsaal Kreuzberg ist der einzige Berliner Indieclub, der noch wirklich Indie ist. So wie in den 90ern, oder wars in den 80ern? Naja, irgendwo hab ich das so gelesen. Letztendlich war es dann doch auch nicht anders als bei einem normalen Indiekonzert im Magnet und dabei auch so sehr Teil gewöhnlicher Kulturindustrie, dass sogar die FAZ davon gehört hatte und anschließend eine ausführliche Konzertrezension veröffentlichte. Der Artikel widmet sich dann unter der Überschrift „Noise gegen Neues“ auch genau dieser Frage der Abgrenzung zwischen Pop und Aufbruch und der Authentizität für die der Begriff „Indie“ ja meistens stehen soll . Deerhoof werden als „Castingband des intellektuellen Postpop“ und „Hochdruckakademiker“ beschimpft.
„‘Festsaal Kreuzberg‘ in Berlin, nicht mal richtig proppenvoll ist der Laden, wie es sich doch für eine Insider-Kultband gehören würde, welche angeblich von ‚Sonic Youth‘, Matt Groening und vielen anderen Koryphäen verehrt wird und welche sich dem stetigen Umbruch verschrieben hat, dem Aufbrechen des Pop: ‚Deerhoof‘, neun Alben alt und aus San Francisco stammend, sind die Freejazzer des Noise, sie sind die stetigen Interruptoren der eigenen Lieder, mit einiger Hartnäckigkeit trachten sie nach der Zusammenzwingung des Unvereinbaren: Gut, dass sie nur zu dritt sind. Mehr Streben in die Exzentrik kann keine Bühne verkraften.“ Das in der Überschrift des FAZ-Artikels angesprochene „Neue“ war an diesem Abend The Blow. Die Vorband, die eigentlich aus zwei Personen besteht, aber an diesem Abend nur mit der Sängerin angetreten war. Die FAZ findet hierfür folgende Formulierungen: „Ein Lo-Fi-Elektropopduo aus Sängerin und Frickler; zarter, doch konziser Gesang mit hypnotischer Schlichtheit untendrunter, und um das Minimalismusglück noch komplett zu machen, war Sängerin Khaela Maricich am Sonntag ganz alleine da“ (FAZ.net, 17.04.2007) Wenn Schlichtheit so super ist und Intellektuelle von vorne herein der fehlenden Authentizität verdächtigt werden, frage ich mich etwas warum die FAZ so ist wie sie ist -- aber egal. Ansonsten mögen die Beobachtungen der FAZ ja durchaus zutreffen. Meine Verstrickungen in bestimmte Subkulturen und das von mir unterbewusst verinnerlichte Bild von Deerhoof als „Insider-Kultband“ lassen mich das Konzert sicherlich nicht so „objektiv“ rezensieren wie einen Autoren der FAZ und zwingen mich zu einer Distanzierung von der FAZ-Kritik. Deshalb nun in der geforderten Schlichtheit: Konzert war super. Ich hatte Spaß und ich war von der intellektuellen Komplexität der Musik von Deerhoof überfordert, fasziniert und berauscht. Pop, Aufbruch, Intellektualismus, Schlichtheit, Authentizität, deren Widersprüche und deren Bedeutung für die Kulturindustrie werden morgen mit ‚nem Bier in der Hand von mir zu Ende reflektiert... robert